„Nicht ich das Pferd - sondern ein Pferd sucht mich aus !“
... Ich zog also los, um ein Pferd für mich zu suchen. Es sollte jung,
führig und klug sein, gut im Wesen, einen recht geraden Rücken, elegante
Gänge haben, und natürlich auch wunderschön sein.
... So ganz nebenbei, ein verschmitztes Lächeln im Gesicht, kam mein
Freund, der Besitzer, mit einem prächtigen Rappen an der Hand in die Halle
und führte ihn in die Runde. Ich hielt den Atem an. Es war durchaus kein
junges Pferd, wie ich mir eines wünschte, und verkäuflich war es sicher
nicht, denn man sah auf den ersten Blick: Hannoveranische
Springer-Hochzucht, nervig wie ein Vollblüter, riesengroß, enormer
Brustkorb, starke, gut gewinkelte Schulter, hoher Widerrist, dahinter ein
geradliniger, schön schwingender Rücken und eine kräftige Hinterhand,
solide Fesseln und ein starker Untertritt schon im Schritt. Auf der linken
Flanke prangte der Brand.
"Probehalber" saß ich auf.
Uff! Der Körper war so sitzgerecht wie selten, man fühlte sich sofort eins
mit dem Pferdekörper. Die Gänge hatten starke Aktion, doch jeder Schritt
fühlte sich leicht und gekonnt an. Der Trab war federnd und die
Versammlung sehr schnell da, ich spürte unter mir in jeder Faser die
gezähmte Kraft dieses Energiebündels. Das Erstaunliche war, auch meine
unbewußten Hilfen kamen so glatt durch, als ob er meine Gedanken lesen
würde. Als er dann noch spielend meine Absicht, Seitenschritte zu testen,
schon vor dem "go" in die Tat umsetzte, hatte er mich voll erobert! Ich
schloss die Augen und ließ mich tragen, unter mir bewegte sich ein zweites
ICH.
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